Gängig sind zwölf Arten, sechs für Frauen von der Klitorisvorhaut bis zur Christina und sechs für Männer vom Prinz Albert bis zum Guiche. Die Heilung dauert je nach Gewebe 4 Wochen bis 9 Monate, gestochen wird meist in 1,6 bis 3,2 mm.
Welche Intimpiercings gibt es und wie lange heilen sie?
Gängig sind zwölf Intimpiercings, sechs für Frauen (Vertical Hood, Horizontal Hood, Christina, Fourchette, innere und äußere Schamlippen) und sechs für Männer (Prinz Albert, Frenum, Apadravya, Ampallang, Dydoe, Guiche), und ihre Heilung dauert je nach Gewebe 4 Wochen bis 9 Monate.
Entscheidend für Heilzeit, Schmuck und Preis ist weniger der Name als das Gewebe. Ein Stich durch eine dünne Hautfalte wie die Klitorisvorhaut oder das Frenulum heilt in 4 bis 8 Wochen, ein Stich durch die Eichel braucht 4 bis 9 Monate. Der Berufsverband Association of Professional Piercers (APP) fasst es so zusammen: Die meisten Genitalpiercings heilen innerhalb von ein bis zwei Monaten, während Nabel, Ohrknorpel und Nasenflügel sechs Monate und länger brauchen. Das Nachsorgeblatt der britischen Gesundheitsbehörde nennt für Genitalpiercings 4 bis 8 Wochen, der deutsche Verband professioneller Piercer (VPP) etwa einen Monat für Vorhautpiercings und 4 bis 6 Monate für den Apadravya.
Alle zwölf Arten werden ausschließlich an Volljährigen gestochen: Der VPP legt in seinen Richtlinien 18 Jahre fest, die APP hält Intim- und Brustwarzenpiercings an Personen unter 18 Jahren unter keinen Umständen für vertretbar.
Intimpiercings für Frauen: Vorhaut, Christina, Fourchette, Schamlippen
Das Vertical Hood (VCH) verläuft senkrecht durch die Klitorisvorhaut und ist das meistgestochene Intimpiercing bei Frauen. Es setzt eine ausreichend tiefe Vorhaut voraus, die der Piercer vorab mit einem Wattestäbchen prüft. Erstschmuck ist ein gebogener Stab von 1,6 mm Stärke und 8 bis 12 mm Länge, die Heilung dauert 4 bis 8 Wochen.
Das Horizontal Hood (HCH) liegt quer in der Vorhaut und trägt einen Ring von 1,6 mm mit 8 bis 10 mm Innendurchmesser, Heilzeit 6 bis 8 Wochen. Es eignet sich nur, wenn die Vorhaut eine deutliche Falte bildet.
Die Christina sitzt oberhalb der Vorhaut am Venushügel. Als Oberflächenpiercing heilt sie mit 3 bis 6 Monaten deutlich langsamer und wächst bei Reibung durch Hosenbund oder Gürtel leichter heraus. Die Fourchette durchsticht die hintere Hautfalte am unteren Ende des Scheideneingangs, braucht eine ausgeprägte Falte und heilt in 6 bis 8 Wochen.
Piercings der inneren Schamlippen heilen mit 4 bis 6 Wochen am schnellsten, weil das Gewebe dünn und gut durchblutet ist. Die äußeren Schamlippen sind dicker: Hier dauert die Heilung 3 bis 6 Monate, gestochen wird in 1,6 bis 2,0 mm.
| Art | Heilzeit | Übliche Stärke und Schmuckform |
|---|---|---|
| Vertical Hood (Frau) | 4 bis 8 Wochen | 1,6 mm, gebogener Stab 8 bis 12 mm |
| Horizontal Hood (Frau) | 6 bis 8 Wochen | 1,6 mm, Ring 8 bis 10 mm Innendurchmesser |
| Christina (Frau) | 3 bis 6 Monate | 1,6 mm, gebogener Stab oder Oberflächenstab |
| Fourchette (Frau) | 6 bis 8 Wochen | 1,6 mm, gebogener Stab oder Ring |
| Schamlippen innen / außen (Frau) | 4 bis 6 Wochen / 3 bis 6 Monate | 1,6 mm / 1,6 bis 2,0 mm, Ring |
| Prinz Albert (Mann) | 4 bis 8 Wochen | 2,0 bis 3,2 mm, Ring 12 bis 16 mm Innendurchmesser |
| Frenum (Mann) | 4 bis 8 Wochen | 1,6 bis 2,0 mm, gerader Stab |
| Apadravya / Ampallang (Mann) | 4 bis 9 Monate | 2,0 bis 3,2 mm, gerader Stab |
Intimpiercings für Männer: Prinz Albert bis Guiche
Der Prinz Albert (PA) führt von der Harnröhrenöffnung durch die Unterseite der Eichel und ist das häufigste männliche Intimpiercing. Weil die Harnröhre den Kanal ständig spült, heilt er in 4 bis 8 Wochen. Der Ring muss kräftig sein: üblich sind 2,0 bis 3,2 mm Stärke bei 12 bis 16 mm Innendurchmesser, dünnerer Schmuck kann sich durch das Gewebe schneiden.
Das Frenum sitzt in der Hautfalte an der Unterseite des Schafts und heilt in 4 bis 8 Wochen; mehrere Frenum-Piercings untereinander bilden eine Leiter. Der gerade Stab hat 1,6 bis 2,0 mm.
Apadravya (senkrecht) und Ampallang (waagerecht) durchqueren die gesamte Eichel. Sie werden in 2,0 bis 3,2 mm gestochen, der Erststab ist 4 bis 6 mm länger als die spätere Tragelänge, und die Heilung dauert 4 bis 9 Monate. Beide gelten als die anspruchsvollsten Intimpiercings.
Das Dydoe durchsticht den Eichelrand mit einem gebogenen Stab von 1,6 mm, setzt einen ausgeprägten Rand voraus und heilt in 3 bis 6 Monaten. Das Guiche liegt im Damm zwischen Hodensack und After, trägt einen Ring oder gebogenen Stab von 2,0 mm und braucht wegen der Bewegung beim Sitzen 3 bis 6 Monate.
Heilungszeiten richtig lesen und die Pflege
Heilzeiten sind Spannen, keine Termine. Der Kanal wirkt nach 2 bis 3 Wochen oft reizlos, ist aber innen noch nicht mit Haut ausgekleidet; die APP weist darauf hin, dass ein Piercing verheilt scheinen kann, lange bevor die Heilung abgeschlossen ist. Wer den Schmuck vor Ablauf der Spanne wechselt, reißt die junge Haut ein und verlängert die Heilung um Wochen.
Die Pflege ist schlicht: 1- bis 2-mal täglich mit steriler Kochsalzlösung (0,9 Prozent Natriumchlorid) spülen, nicht drehen, keine Salben und keine Desinfektionsmittel. Der VPP rät in den ersten 4 bis 6 Wochen von Wannenbad, Sauna, Schwimmbad und Solarium ab. Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt für die ersten 24 Stunden ein Schwimmverbot und empfiehlt, bis zur Abheilung auf Geschlechtsverkehr zu verzichten; die APP formuliert milder: sobald Sie sich bereit fühlen, aber sanft, hygienisch und mit Barriere. Warnzeichen sind Schmerz, der nach der ersten Woche zunimmt, gelber oder grüner Ausfluss, Hitze und Fieber. Dann gehört das Piercing in ärztliche Hand, und der Schmuck bleibt drin, damit Sekret abfließen kann.
Erstschmuck: Titan, Stärke und Form
Erstschmuck für Intimpiercings besteht aus Implantattitan nach ASTM F136 (Ti-6Al-4V ELI, Grade 23) oder ISO 5832-3. Die APP lässt daneben Reintitan nach ASTM F67, Niob, Implantatstahl nach ASTM F138 und massives Gold ab 14 Karat ohne Nickel zu; der VPP setzt für seine Mitgliedsstudios zertifiziertes Titan nach ASTM F136 voraus. Vergoldeter, versilberter oder beschichteter Schmuck ist für frische Kanäle ungeeignet.
Die Stärke richtet sich nach dem Gewebe: 1,6 mm bei Vorhaut, Schamlippen, Frenum und Dydoe, 2,0 bis 3,2 mm bei Prinz Albert, Apadravya, Ampallang und Guiche. Dünner als 1,6 mm wird im Intimbereich nicht gestochen, weil feiner Schmuck bei Belastung wie ein Draht durch das Gewebe schneidet. Der Erststab ist 2 bis 6 mm länger als der spätere, um die Schwellung aufzufangen, und wird nach 4 bis 8 Wochen im Studio auf Tragelänge gekürzt.
Das Gewinde liegt innen (Innengewinde), oder der Schmuck ist gewindelos (threadless); beide Systeme führen ein glattes Stabende durch den Kanal. Außengewinde sind für den Ersteinsatz tabu, weil sie den Stichkanal beim Wechsel aufreißen. Die Oberfläche muss hochglanzpoliert sein, die APP spricht von mirror finish.
Kosten in deutschen Studios und Merkmale eines seriösen Studios
In deutschen Studios sind für Vorhaut-, Schamlippen-, Fourchette- und Frenum-Piercings 80 bis 130 Euro üblich, inklusive einfachem Titan-Erstschmuck. Ein Prinz Albert kostet meist 100 bis 150 Euro, weil der Ring dicker ist, Guiche und Christina liegen bei 90 bis 130 Euro, Apadravya und Ampallang bei 140 bis 200 Euro. Schmucksteine, Gold oder Sondergrößen kommen mit 20 bis 150 Euro obendrauf. Ein Angebot deutlich unter 70 Euro spart in der Regel am Material oder an der Sterilisation.
Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz beschreibt in ihren Hygieneregeln, was Pflicht ist: Nadeln sind sterile Einwegprodukte, nicht steriler Schmuck wird vor dem Einsetzen im Dampfsterilisator nach DIN EN 13060 aufbereitet, das Studio holt eine schriftliche Einwilligung ein und bewahrt sie mindestens 10 Jahre auf. Der VPP verlangt von Mitgliedern einen Autoklaven der Klasse B mit halbjährlichem Sporentest.
Fragen Sie vor dem Termin nach drei Dingen: der Materialbezeichnung des Erstschmucks (ASTM F136 sollte fallen), der Sterilverpackung, die vor Ihren Augen geöffnet wird, und einem schriftlichen Pflegeblatt. Ein seriöses Studio prüft zudem vorab, ob Ihre Anatomie das gewünschte Piercing zulässt, und sagt gegebenenfalls ab.
Häufige Fragen
Tut ein Intimpiercing weh?
Der Stich selbst dauert unter einer Sekunde und wird bei dünnen Hautfalten wie Vorhaut oder Frenum als kurzer, deutlicher Schmerz beschrieben. Durchstiche durch die Eichel (Apadravya, Ampallang) gelten als intensiver; in den ersten 2 bis 5 Tagen ist mit Schwellung und Druckempfindlichkeit zu rechnen.
Wann darf man nach einem Intimpiercing wieder Sex haben?
Der NHS rät, bis zur vollständigen Abheilung zu warten, bei den meisten Arten also 4 bis 8 Wochen. Die APP erlaubt Sex, sobald Sie sich bereit fühlen, verlangt aber Sanftheit, Hygiene und Barriereschutz, damit keine fremden Körperflüssigkeiten in den Kanal gelangen.
Was kostet ein Intimpiercing in Deutschland?
Üblich sind 80 bis 130 Euro für Vorhaut, Schamlippen, Fourchette und Frenum, 100 bis 150 Euro für den Prinz Albert und 140 bis 200 Euro für Apadravya und Ampallang, jeweils mit einfachem Titan-Erstschmuck. Steine, Gold und Sondergrößen kosten 20 bis 150 Euro extra.
Welcher Schmuck ist für ein frisches Intimpiercing richtig?
Implantattitan nach ASTM F136 mit Innengewinde oder gewindelos, hochglanzpoliert, in 1,6 mm für Vorhaut, Schamlippen, Frenum und Dydoe und in 2,0 bis 3,2 mm für Prinz Albert, Apadravya, Ampallang und Guiche. Vergoldeter oder beschichteter Schmuck ist ungeeignet.
Ab welchem Alter werden Intimpiercings gestochen?
Nur ab 18 Jahren. Der Verband professioneller Piercer legt in seinen Richtlinien die Volljährigkeit fest, und die APP hält Intim- und Brustwarzenpiercings an Minderjährigen unter keinen Umständen für vertretbar.
Wie lange darf Intimschmuck herausbleiben?
Ein frischer Kanal schließt sich innerhalb weniger Stunden. Ein seit Jahren getragenes Piercing bleibt meist 1 bis 2 Tage offen, verengt sich aber spürbar; wer den Schmuck länger entfernen muss, etwa vor einer Operation, setzt einen Platzhalter aus PTFE ein.
Quellen
- Piercing FAQ, Association of Professional Piercers (APP)
- Die VPP Richtlinien, Verband professioneller Piercer e.V. (VPP)
- Die richtige Pflege, Verband professioneller Piercer e.V. (VPP)
- Body art, skin piercing and tattoo after care advice, Health Protection Agency North West, veröffentlicht von North East Lincolnshire Council
- Infected piercings, NHS (National Health Service)
- Hygieneregeln für Tätowier- und Piercingbetriebe, Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz
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