Standard ist ein gebogener Stab (Bananabell) aus Titan mit 1,6 mm Stärke und 10 mm Länge; bis zur Abheilung nach 6 bis 12 Monaten bleibt er drin. In der Schwangerschaft ersetzt ihn ab dem zweiten Trimester ein flexibler Stab aus PTFE oder Bioplast mit 20 bis 50 mm Länge.
Welcher Schmuck gehört ins Nabelpiercing?
Ins Nabelpiercing gehört ein gebogener Stab, der Bananabell, aus Titan nach ASTM F136 mit 1,6 mm Stärke und 10 mm Länge; in der Schwangerschaft ersetzt ihn ab dem zweiten Trimester ein flexibler Stab aus PTFE oder Bioplast.
Der Bananabell folgt der Krümmung des Nabelrands: unten eine kleine Kugel von 5 mm, oben eine größere von 8 mm oder ein gefasster Stein, der im Nabel sichtbar bleibt. Die Länge von 10 mm passt den meisten Nabeln; bei flachem Rand wählt das Studio 8 mm, bei tiefem Nabel oder kräftigem Gewebe 12 mm. Als Erstschmuck ist der Stab 1 bis 2 mm länger als der spätere, damit die Schwellung der ersten 2 bis 3 Wochen Platz hat.
Ringe, Spiralen und schwere Anhänger sind für die Heilphase ungeeignet: Sie drehen sich durch den Kanal, hängen in Kleidung fest und ziehen am Rand. Das Gewinde liegt innen, oder der Schmuck ist gewindelos; beides führt ein glattes Ende durch den Kanal, wie es der Schmuckstandard der Association of Professional Piercers (APP) verlangt. Die Kugeln sollten aus demselben Metall sein, Acryl und beschichtete Kugeln gehören erst in ein verheiltes Piercing.
Heilzeit: 6 bis 12 Monate, manchmal länger
Ein Nabelpiercing braucht 6 bis 12 Monate, bis der Kanal mit Haut ausgekleidet ist. Die britische Gesundheitsbehörde nennt in ihrem Nachsorgeblatt 6 Monate bis 1 Jahr, der Verband professioneller Piercer (VPP) etwa 6 bis 8 Monate und in einigen Fällen weitaus länger, die APP zählt den Nabel zu den Stellen, die sechs Monate und mehr brauchen. Die Cleveland Clinic rechnet selbst bei gutem Verlauf mit Druckempfindlichkeit, Rötung und Krusten über 12 bis 18 Monate.
Der Grund ist die Lage: Der Nabel knickt bei jedem Bücken und Sitzen, Hosenbund und Gürtel reiben genau auf dem Stab, und Schweiß sammelt sich in der Nabelgrube. Das Nachsorgeblatt der britischen Behörde rät deshalb, Gürtel, enge Hosen und einengende Kleidung für 6 Monate bis 1 Jahr zu meiden, der VPP nennt ausdrücklich High-Waist-Hosen und große Gürtelschnallen.
Zwei Verläufe sind typisch: Nach 3 bis 4 Wochen sieht das Piercing ruhig aus, wird zu früh gewechselt und reagiert mit wochenlanger Reizung. Oder das Piercing wandert, weil zu wenig Gewebe gefasst wurde; sitzt der Stab nur noch 2 bis 3 mm unter der Haut, ist der Kanal nicht mehr zu retten und wird herausgenommen, bevor er eine breite Narbe hinterlässt.
| Phase | Empfehlung | Material |
|---|---|---|
| Frisch gestochen, Woche 0 bis 12 | Bananabell 1,6 mm, 10 bis 12 mm lang, nicht wechseln | Titan ASTM F136 oder Gold 585/750 nickelfrei |
| Heilphase, Monat 3 bis 12 | Erstschmuck drin lassen, Kleidung ohne Druck auf den Nabel | Titan, Niob, massives Gold |
| Verheilt, ab Monat 6 bis 12 | Wechsel auf Schmuck mit Steinen, Anhänger oder Ring | Titan, Gold, Platin |
| Schwangerschaft, Monat 1 bis 3 | Verheilter Schmuck darf bleiben, kein neues Piercing | Wie bisher, täglich prüfen |
| Schwangerschaft, Monat 4 bis 6 | Wechsel auf flexiblen Stab von 20 bis 50 mm | PTFE oder Bioplast |
| Schwangerschaft, Monat 7 bis 9 | Entfernen, sobald die Haut spannt oder der Nabel hervortritt | PTFE-Platzhalter oder nichts |
| Kaiserschnitt oder Operation | Allen Metallschmuck ablegen | PTFE-Platzhalter nach Rücksprache mit der Klinik |
| Nach der Geburt, Woche 6 bis 12 | Alten Schmuck einsetzen; neu stechen frühestens 3 Monate nach der Geburt | Titan ASTM F136 |
Materialien: Titan, Gold, Niob und flexible Kunststoffe
Titan Grade 23 nach ASTM F136 ist der Standard: nickelfrei, mit 4,4 g/cm³ leicht und mit 6 bis 40 Euro je Stab bezahlbar. Die APP erlaubt daneben Reintitan nach ASTM F67, Niob, Implantatstahl nach ASTM F138 sowie massives Gold von 14 bis 18 Karat, das nickel- und cadmiumfrei legiert ist; vergoldeter und gold-filled Schmuck ist für frische Piercings ausgeschlossen. Für Schmuck in durchstochenen Körperteilen gilt nach REACH Anhang XVII Nr. 27 der Nickelgrenzwert von 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche.
PTFE und Bioplast sind flexible, hautverträgliche Kunststoffe, die der VPP in seinen Richtlinien als in Deutschland zugelassene Materialien führt. PTFE hält Temperaturen bis 260 Grad aus und lässt sich im Autoklaven bei 134 Grad sterilisieren; Bioplast ist weicher und wird mit der Schere auf Länge geschnitten. Beide Kunststoffe ersetzen Metall in der Schwangerschaft, bei Operationen, Bildgebung und Sport.
Für verheilte Nabelpiercings kommen Gold, Platin und Titan mit gefassten Steinen dazu; die Stärke bleibt bei 1,6 mm, sonst passt der Schmuck nicht durch den Kanal. Acryl, Holz und Silikon sind für den Alltag im Nabel wegen der Schweißfeuchte ungünstig und für frische Piercings tabu.
Pflege, Kleidung und Warnzeichen
Zweimal täglich sterile Kochsalzlösung mit 0,9 Prozent Natriumchlorid, sonst nichts. Die APP empfiehlt, die Lösung aufzusprühen und den Schmuck nicht zu drehen; die Cleveland Clinic nennt ebenfalls zwei Reinigungen am Tag. Salben, Desinfektionsmittel, Wasserstoffperoxid und Teebaumöl reizen den Kanal und verlängern die Heilung.
Der NHS rät in den ersten 24 Stunden vom Schwimmen ab, die APP für die gesamte Heilphase vom Untertauchen in Pools, Seen und Whirlpools, sofern das Piercing nicht mit einer wasserdichten Folie abgedeckt wird. Der VPP sieht für Wannenbad, Sauna, Schwimmbad und Solarium eine Pause von 4 bis 6 Wochen vor. Beim Sport hilft ein atmungsaktives Pflaster über dem Schmuck, beim Schlafen die Rückenlage in den ersten 2 bis 3 Wochen.
Zum Arzt gehört das Piercing, wenn die Rötung sich über mehr als 1 cm um den Kanal ausbreitet, die Haut heiß wird, gelber oder grüner Eiter austritt oder Fieber auftritt; der Schmuck bleibt dabei drin, damit die Wunde abfließen kann. Ein weißliches, geruchloses Sekret, das am Schmuck zu Krusten trocknet, ist dagegen normal und kein Eiter.
Schwangerschaft: wann wechseln, wann entfernen
Ein verheiltes Nabelpiercing darf in der Schwangerschaft zunächst bleiben; ab dem 4. bis 5. Monat wird es gegen einen flexiblen Stab getauscht und spätestens entfernt, wenn die Haut spannt oder der Nabel hervortritt. Ein neues Piercing wird in der Schwangerschaft nicht gestochen: Die APP lehnt das ab und empfiehlt, nach der Geburt mindestens 3 Monate zu warten; die Cleveland Clinic rät, ein Nabelpiercing gar nicht erst zu stechen, wenn in den nächsten 18 Monaten eine Schwangerschaft geplant ist.
Der flexible Stab aus PTFE oder Bioplast ist 20 bis 50 mm lang, biegt sich mit der Bauchdecke und wird mit der Schere gekürzt. Er entlastet den Kanal, ersetzt aber keine tägliche Kontrolle: Wird der Rand rot, zieht der Stab beim Aufrichten oder liegt der Nabel im dritten Trimester flach, kommt der Schmuck heraus. Vor einem Kaiserschnitt oder jeder anderen Operation wird Metallschmuck ohnehin abgelegt.
Nach der Geburt bildet sich der Bauch über 6 bis 12 Wochen zurück; dann lässt sich der alte Schmuck vorsichtig einsetzen, notfalls mit einer Einführhilfe im Studio. Ein Kanal, der sich geschlossen hat, wird frühestens 3 Monate nach der Geburt neu gestochen.
Kosten, Alter und Kauf
In deutschen Studios kostet ein Nabelpiercing üblicherweise 50 bis 90 Euro inklusive einfachem Titan-Bananabell; Aufsätze mit Zirkonia oder Opal kosten 15 bis 80 Euro extra. Im Fachhandel liegt ein Titanstab bei 6 bis 40 Euro, ein Stab aus 585er oder 750er Gold bei 100 bis 400 Euro, ein flexibler Schwangerschaftsstab aus PTFE bei 5 bis 20 Euro.
Der VPP setzt für das Nabelpiercing ein Mindestalter von 14 Jahren mit schriftlicher Einwilligung der Erziehungsberechtigten an; die Hamburger Gesundheitsbehörde verlangt bei Minderjährigen die schriftliche Einwilligung der Eltern und schreibt sterile Einwegnadeln sowie die Sterilisation nicht sterilen Schmucks vor dem Einsetzen vor. Fragen Sie nach der Materialbezeichnung ASTM F136 und lassen Sie Nadel und Schmuck steril verpackt vor Ihren Augen öffnen.
Beim Nachkauf zählen zwei Maße: 1,6 mm Stärke und die Tragelänge zwischen den Kugeln, meist 10 mm. Messen Sie den alten Stab mit einer Schieblehre, bevor Sie bestellen; ein Bananabell mit 8 mm drückt in einem 10-mm-Kanal auf den Rand, einer mit 12 mm hängt und hakt in der Kleidung.
Häufige Fragen
Muss ich das Nabelpiercing in der Schwangerschaft entfernen?
Nicht sofort. Ein verheiltes Piercing darf in den ersten 3 Monaten bleiben, ab dem 4. bis 5. Monat wird es gegen einen flexiblen PTFE-Stab getauscht, und sobald die Haut spannt, der Rand rot wird oder der Nabel hervortritt, kommt der Schmuck ganz heraus.
Wächst das Nabelpiercing zu, wenn es 9 Monate herausbleibt?
Ein seit Jahren getragener Kanal bleibt oft teilweise offen, verengt sich aber; ein Platzhalter aus PTFE hält ihn frei. Hat er sich geschlossen, wird frühestens 3 Monate nach der Geburt neu gestochen, bei gedehnter Haut auch leicht versetzt.
Wie lange dauert die Heilung eines Nabelpiercings?
6 bis 12 Monate, in Einzelfällen bis zu 18 Monate. Die britische Gesundheitsbehörde nennt 6 Monate bis 1 Jahr, der VPP 6 bis 8 Monate oder deutlich länger, die Cleveland Clinic rechnet mit Rötung und Krusten über 12 bis 18 Monate.
Kann ich mit einem frischen Nabelpiercing schwimmen?
In den ersten 24 Stunden gar nicht, und während der gesamten Heilphase rät die APP vom Untertauchen in Pools, Seen und Whirlpools ab, sofern das Piercing nicht mit einer wasserdichten Folie abgedeckt ist. Danach gründlich mit Kochsalzlösung spülen.
Welche Länge hat ein Nabelpiercing?
Standard sind 10 mm Tragelänge zwischen den Kugeln bei 1,6 mm Stärke. Flache Nabelränder tragen 8 mm, tiefe Nabel 12 mm; als Erstschmuck wählt das Studio 1 bis 2 mm mehr, um die Schwellung aufzufangen.
Ab welchem Alter darf ein Nabelpiercing gestochen werden?
Der Verband professioneller Piercer setzt 14 Jahre und die schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten voraus; die Hamburger Gesundheitsbehörde verlangt bei Minderjährigen ebenfalls die schriftliche Einwilligung der Eltern.
Quellen
- Piercing FAQ, Association of Professional Piercers (APP)
- Suggested Aftercare Guidelines for Body Piercings, Association of Professional Piercers (APP)
- How To Treat (and Prevent) an Infected Belly Button Piercing, Cleveland Clinic
- Body art, skin piercing and tattoo after care advice, Health Protection Agency North West, veröffentlicht von North East Lincolnshire Council
- Die richtige Pflege, Verband professioneller Piercer e.V. (VPP)
- Die VPP Richtlinien, Verband professioneller Piercer e.V. (VPP)
- Hygieneregeln für Tätowier- und Piercingbetriebe, Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz
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