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Schieblehre misst die Stärke eines polierten Titanstabs, daneben kleine Barbells und ein roségoldener Ring.
Piercings

Piercing-Größen: Wie misst man Stärke und Länge richtig?

Drei Maße bestimmen die Größe: die Stärke des Stabs (Gauge, 14 g = 1,6 mm), die Tragelänge zwischen den Aufsätzen und beim Ring der Innendurchmesser. Gemessen wird mit einer Schieblehre in Millimetern, denn Gauge-Angaben sind um 0,1 bis 0,3 mm gerundet.

Die drei Maße jedes Piercings

Die richtige Piercing-Größe misst man mit einer Schieblehre in Millimetern an drei Stellen: der Stärke des Stabs (14 g entspricht 1,6 mm), der Tragelänge zwischen den Aufsätzen und beim Ring dem Innendurchmesser.

Die Stärke ist der Durchmesser des Stabs, der durch den Kanal führt. Die Gauge-Angabe stammt aus dem amerikanischen Drahtmaß AWG, das die Norm ASTM B258 festlegt, und läuft rückwärts: Je kleiner die Zahl, desto dicker der Stab. 18 g sind 1,0 mm, 16 g sind 1,2 mm, 14 g sind 1,6 mm. Die Umrechnung ist gerundet: 16 AWG misst genau 1,29 mm, Piercingschmuck in 16 g aber 1,2 mm; 14 AWG misst 1,63 mm, der Schmuck 1,6 mm. Wer nachbestellt, verlässt sich deshalb besser auf den gemessenen Millimeterwert.

Die Tragelänge ist der Abstand zwischen den beiden Aufsätzen, gemessen ohne Kugeln; beim gebogenen Stab wird entlang der Krümmung gemessen. Beim Ring zählt der Innendurchmesser, also die lichte Weite von Innenkante zu Innenkante. Dazu kommt als viertes Maß die Kugelgröße, üblich 3 mm bei 1,2-mm-Stäben und 4 bis 5 mm bei 1,6 mm.

Gauge in Millimeter: die Tabelle verstehen

Die Reihe der Piercing-Stärken beginnt bei 20 g mit 0,8 mm und steigt über 18 g (1,0 mm), 16 g (1,2 mm) und 14 g (1,6 mm) bis 12 g mit 2,0 mm; danach folgen 10 g mit 2,5 mm, 8 g mit 3,2 mm, 6 g mit 4 mm, 4 g mit 5 mm, 2 g mit 6 mm, 0 g mit 8 mm und 00 g mit 10 mm. Ab 10 mm rechnet der Handel nur noch in Millimetern, bis zu 50 mm bei Tunneln.

Zwischen zwei Gauge-Stufen liegen 0,2 bis 0,8 mm, das ist beim Dehnen relevant: Vom 14 g (1,6 mm) auf 12 g (2,0 mm) sind es 0,4 mm, was ein verheiltes Ohrläppchen in 4 bis 6 Wochen verträgt, während der Sprung von 8 g auf 6 g bereits 0,8 mm beträgt.

Für den Alltag genügt ein Merksatz: Ohr, Nase und Gesicht liegen bei 0,8 bis 1,2 mm, Körperpiercings bei 1,6 mm, Intimpiercings bei 1,6 bis 3,2 mm. Ein Stab, der 0,2 mm zu dünn ist, rutscht und schneidet; einer, der 0,4 mm zu dick ist, passt nicht durch den Kanal und reißt beim Versuch die Haut ein.

Gauge, Millimeter und typische Stelle
GaugeMillimeterTypische Stelle
20 g0,8 mmNasenflügel, feine Ohrstecker
18 g1,0 mmOhrläppchen, Nasenflügel, Helix
16 g1,2 mmHelix, Tragus, Augenbraue, Lippe, Septum
14 g1,6 mmNabel, Brustwarze, Zunge, Industrial, die meisten Intimpiercings
12 g2,0 mmPrinz Albert, Frenum, Guiche, gedehnte Ohrlöcher
10 g2,5 mmPrinz Albert, Apadravya, Dehnung
8 g3,2 mmPrinz Albert, Ampallang, Dehnung, Vorstufe zum Tunnel

Tragelänge und Innendurchmesser je Stelle

Erstschmuck ist 2 bis 4 mm länger als der spätere Schmuck, weil das Gewebe in den ersten 2 bis 3 Wochen anschwillt; die APP weist darauf hin, dass viele Piercings vor der Abheilung eine Verkleinerung brauchen, die ein Piercer vornimmt. Wer den langen Erststab nach der Schwellung behält, riskiert, dass er im Kanal pendelt, in Kleidung hakt und der Kanal sich schräg stellt.

Übliche Tragelängen nach der Abheilung: Nasenflügel 6 bis 8 mm, Helix und Tragus 6 bis 8 mm, Labret 6 bis 8 mm (Erstschmuck 8 bis 10 mm), Augenbraue 8 bis 10 mm, Zunge 14 bis 16 mm (Erstschmuck 16 bis 19 mm), Nabel 10 mm, Brustwarze 10 bis 16 mm (Erstschmuck 12 bis 19 mm).

Beim Ring gilt: Der Innendurchmesser entspricht der Gewebedicke plus 1 bis 2 mm Spiel. Nasenflügel tragen 6 bis 8 mm, Helix 8 bis 10 mm, Septum 8 bis 10 mm, Brustwarze 10 bis 14 mm, Prinz Albert 12 bis 16 mm. Ein zu enger Ring drückt und lässt sich nicht reinigen, ein zu weiter dreht sich bei jeder Bewegung durch den Kanal. Ringe kommen deshalb erst in verheilte Piercings, in frische gehören Stäbe.

Innengewinde, Außengewinde, gewindelos

Beim Innengewinde sitzt das Gewinde im Stab und der Stift am Aufsatz; durch den Kanal gleitet ein glattes Stabende. Beim Außengewinde ist es umgekehrt, das scharfkantige Gewinde am Stab kratzt beim Wechsel durch den Kanal. Die APP führt Innengewinde und gewindelosen Schmuck als Standard, der VPP warnt, dass Außengewinde den Stichkanal beim Schmuckwechsel beschädigen können.

Die Gewindemaße hängen an der Stärke: Stäbe von 1,2 mm tragen je nach Hersteller ein Innengewinde von 0,8 oder 0,9 mm, Stäbe von 1,6 mm meist 1,2 mm, Stäbe von 2,0 mm 1,6 mm. Ein Aufsatz mit 0,9-mm-Stift passt nicht in ein 0,8-mm-Gewinde, auch wenn beide Stäbe 1,2 mm stark sind. Wer Aufsätze nachkauft, notiert deshalb Stärke und Gewindemaß des Stabs, sonst landet der Kauf in der Schublade.

Gewindelos (threadless, press-fit) arbeitet mit einem leicht gebogenen Stift, der durch Spannung im hohlen Stab hält. Der Stift ist bei Stäben von 1,0 und 1,2 mm häufig gleich dick, weshalb Aufsätze innerhalb eines Herstellersystems oft auf mehrere Stärken passen; zwischen Herstellern ist das nicht garantiert. Der Aufsatz lässt sich mit zwei Fingern ziehen, was den Wechsel für Laien einfacher macht.

Messen mit der Schieblehre

Eine Schieblehre (Messschieber) misst auf 0,1 mm genau, digitale Modelle auf 0,01 mm, und kostet 10 bis 30 Euro. Gemessen wird immer der vorhandene, passende Schmuck, nicht die Haut: die Stärke am Stab neben dem Gewinde, nie an der Kugel; die Tragelänge zwischen den Innenflächen der beiden Aufsätze; beim Ring der Innendurchmesser an der weitesten Stelle.

Drei Messungen, dann der Mittelwert: Ein Stab, der 1,58, 1,60 und 1,62 mm zeigt, ist ein 1,6-mm-Stab. Zeigt die Länge 9,8 mm, bestellen Sie 10 mm, denn Hersteller runden auf ganze und halbe Millimeter. Ohne Schieblehre hilft Millimeterpapier: Schmuck auflegen, ablesen, Genauigkeit etwa 0,5 mm, für die Stärke zu grob, für die Länge brauchbar.

Wenn Sie noch keinen passenden Schmuck haben, misst das Studio das Gewebe: Mit einer Schieblehre wird die Dicke der Falte erfasst und 2 bis 3 mm für Schwellung und Bewegung zugegeben. Bei verheilten Piercings, deren Schmuck verloren ging, reicht oft ein Blick des Piercers und ein Probestab; bestellen Sie im Zweifel zwei Längen, die 2 mm auseinanderliegen.

Typische Größen je Stelle

Nasenflügel werden in 0,8 mm (20 g) gestochen, in deutschen Studios oft auch in 1,0 mm (18 g); Ohrläppchen in 1,0 oder 1,2 mm; Helix, Tragus, Conch, Augenbraue, Lippe und Septum in 1,2 mm (16 g), Septum und Lippe auch in 1,6 mm. Zunge, Nabel, Brustwarze, Industrial und die meisten Intimpiercings tragen 1,6 mm (14 g); Prinz Albert, Apadravya und Ampallang 2,0 bis 3,2 mm.

Kugeln und Aufsätze folgen der Stärke: 2,5 bis 3 mm auf 1,0- und 1,2-mm-Stäben, 4 bis 5 mm auf 1,6 mm, 5 bis 6 mm auf 2,0 mm. Scheiben (Discs) für Labret und Nasenflügel messen 3 bis 4 mm, große Aufsätze mit Steinen 4 bis 8 mm.

Zwei Regeln schützen vor Fehlkäufen: Die Stärke wird nie ohne Piercer verändert, weder 0,4 mm dünner (der Stab schneidet) noch 0,4 mm dicker (der Kanal reißt). Und die Länge wird nach der Abheilung um 2 bis 4 mm reduziert, damit der Schmuck ruhig liegt. Beides prüft ein Studio in 5 Minuten mit der Schieblehre, meist kostenlos oder für 5 bis 15 Euro inklusive Einsetzen.

Häufige Fragen

Ist 14 g dicker als 16 g?

Ja. Die Gauge-Skala läuft rückwärts: 14 g entspricht 1,6 mm, 16 g nur 1,2 mm. Je kleiner die Zahl, desto dicker der Stab; ab 0 g (8 mm) rechnet der Handel in Millimetern weiter.

Wie messe ich die Länge eines Piercings?

Zwischen den Innenflächen der beiden Aufsätze, ohne die Kugeln, mit einer Schieblehre auf 0,1 mm genau. Beim gebogenen Stab entlang der Krümmung messen, beim Ring den Innendurchmesser an der weitesten Stelle.

Passen Aufsätze verschiedener Hersteller zusammen?

Nicht immer. Bei 1,2-mm-Stäben gibt es Innengewinde von 0,8 und 0,9 mm, bei 1,6 mm meist 1,2 mm; gewindelose Stifte sind innerhalb eines Herstellersystems kompatibel, zwischen Herstellern nicht garantiert. Notieren Sie Stärke und Gewindemaß vor dem Kauf.

Welche Kugelgröße gehört zu welcher Stärke?

2,5 bis 3 mm auf Stäben von 1,0 und 1,2 mm, 4 bis 5 mm auf 1,6 mm, 5 bis 6 mm auf 2,0 mm. Zu kleine Kugeln rutschen in den Kanal, zu große liegen schwer auf dem Gewebe.

Warum ist der Erstschmuck länger als der spätere?

Weil das Gewebe in den ersten 2 bis 3 Wochen um 2 bis 4 mm anschwillt. Die APP empfiehlt, den Stab danach von einem Piercer kürzen zu lassen, meist nach 4 bis 8 Wochen, damit er nicht im Kanal pendelt.

Was bedeutet M1,2 bei Piercingschmuck?

Ein metrisches Gewinde mit 1,2 mm Durchmesser, üblich bei Stäben von 1,6 mm Stärke. Stäbe von 1,2 mm tragen je nach Hersteller M0,8 oder M0,9, Stäbe von 2,0 mm meist M1,6.

Quellen

  1. ASTM B258-18, Standard Specification for Standard Nominal Diameters and Cross-Sectional Areas of AWG Sizes of Solid Round Wires, ASTM International
  2. Jewelry for Initial Piercings, Association of Professional Piercers (APP)
  3. Suggested Aftercare Guidelines for Body Piercings, Association of Professional Piercers (APP)
  4. Piercingschmuck (VPP-Standard), Verband professioneller Piercer e.V. (VPP)
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