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Titanstab und massiver Goldstab im Vergleich auf hellem Marmor im Tageslicht.
Piercings

Titan oder Gold: Was ist der bessere Erstschmuck?

Titan nach ASTM F136 ist der Standard für den Erstschmuck: ohne Nickel, nur 4,4 g/cm³ schwer und ab 6 Euro. Gold eignet sich nur massiv ab 585 (14 Karat), nickel- und cadmiumfrei legiert, und kostet 60 bis 300 Euro je Teil.

Titan oder Gold: die Antwort für den Erstschmuck

Für den Erstschmuck ist Titan nach ASTM F136 die erste Wahl; Gold kommt nur massiv ab 585 (14 Karat) und nickelfrei legiert in Frage.

Der Grund liegt im Stichkanal: Ein frisches Piercing ist eine offene Wunde, die je nach Stelle 4 Wochen bis 12 Monate braucht, und in dieser Zeit liegt das Metall in Blut, Lymphe und Gewebeflüssigkeit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt fest, dass Nickel in Blutplasma und Urin etwa doppelt so stark herausgelöst wird wie in künstlichem Schweiß; deshalb gilt für Schmuck in frisch durchstochenen Körperteilen ein strengerer Grenzwert von 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche, für sonstigen Schmuck 0,5.

Die Association of Professional Piercers (APP) zählt in ihrem Schmuckstandard beides auf: implantatzertifiziertes Titan (ASTM F136, F1295 oder ISO 5832-3) und Reintitan nach ASTM F67 auf der einen Seite, Gold ab 14 Karat, nickel- und cadmiumfrei und für die Biokompatibilität legiert, auf der anderen. Der deutsche Verband professioneller Piercer (VPP) rät zu Erstschmuck aus Titan, Niob oder Gold von 14 bis 18 Karat. Der Unterschied liegt in Gewicht, Preis und Fehleranfälligkeit, und da gewinnt Titan.

Titan Grade 23: was hinter ASTM F136 steckt

ASTM F136 ist eine Norm für chirurgische Implantate; ihr voller Titel lautet Standard Specification for Wrought Titanium-6Aluminum-4Vanadium ELI (Extra Low Interstitial) Alloy for Surgical Implant Applications, aktuelle Fassung F136-13(2021)e1. Die Legierung Ti-6Al-4V besteht aus rund 90 Prozent Titan, 6 Prozent Aluminium und 4 Prozent Vanadium; ELI bedeutet, dass Sauerstoff auf höchstens 0,13 Prozent und Eisen auf 0,25 Prozent begrenzt sind, was das Material zäher macht als das gewöhnliche Grade 5 mit bis zu 0,20 Prozent Sauerstoff.

Nickel enthält die Legierung nicht. Ihre Oberfläche bildet innerhalb von Sekunden eine Oxidschicht, die das Metall passiviert; durch Anodisieren mit etwa 15 bis 110 Volt lässt sie sich verdicken und erzeugt Gold-, Rosé-, Blau- oder Violetttöne ohne jede Beschichtung. Die Dichte liegt bei 4,43 g/cm³, das Material ist nicht magnetisch und für Kernspin-Untersuchungen unproblematisch.

Beim Kauf zählt der Nachweis: Seriöse Hersteller legen ein Werkszertifikat (mill certificate) vor, das die Charge nach ASTM F136 oder ISO 5832-3 ausweist. Die Bezeichnung „G23“ oder „Titan Grade 23“ allein ist kein Beleg. Reintitan nach ASTM F67 (Grade 1 bis 4) ist ebenfalls zulässig, aber weicher, weshalb Gewinde schneller ausleiern.

Titan gegen Gold: Kriterien für den Erstschmuck
KriteriumTitan (ASTM F136)Gold (585 oder 750, massiv)
NickelKein Nickel in der LegierungNur nickelfrei legiert zulässig, klassisches Weißgold oft 10 bis 13 Prozent Nickel
Norm oder NachweisASTM F136 oder ISO 5832-3 mit WerkszertifikatFeingehalt 585 oder 750, Zusicherung nickel- und cadmiumfrei
Dichte4,43 g/cm³rund 13 g/cm³ (585) bis 15,5 g/cm³ (750)
Gewicht Stab 1,6 × 10 mm mit 4-mm-Kugelnetwa 0,4 getwa 1,2 bis 1,4 g
Härte und GewindeHoch, Gewinde halten langeWeicher, 750 weicher als 585
FarbenAnodisiert: Gold, Rosé, Blau, Violett ohne BeschichtungGelb, Rosé, Weiß je nach Legierung
Preis je Teil im Fachhandel6 bis 40 Euro, mit Stein 20 bis 80 Euro60 bis 300 Euro, mit Steinen bis 600 Euro
Erstschmuck laut APPJaJa, nur massiv ab 14 Karat, nie vergoldet

Gold: nur massiv, nur nickelfrei, 14 bis 18 Karat

Gold ist als Erstschmuck erlaubt, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: massiv statt beschichtet, Feingehalt 585 bis 750 und eine Legierung ohne Nickel und Cadmium. 585er Gold besteht zu 58,5 Prozent aus Gold, 750er zu 75 Prozent; den Rest bilden Silber, Kupfer, Zink oder Palladium. Höher als 18 Karat hält die APP für ungeeignet, weil das Metall dann zu weich ist und Gewinde sowie Kugelfassungen nachgeben.

Der Haken steckt in der Farbe: Klassisches Weißgold wird laut BfR mit 10 bis 13 Prozent Nickel legiert. Für ein frisches Piercing kommt deshalb nur Palladium-Weißgold in Frage, und auch dann sollte der Hersteller die Nickelfreiheit ausdrücklich zusichern. Roségold enthält mehr Kupfer, was die Verträglichkeit nicht beeinträchtigt.

Vergoldet, gold-filled, Vermeil oder „Gold-PVD“ scheiden aus, die APP nennt sie ausdrücklich als ungeeignet für frische Piercings. Eine galvanische Goldschicht misst 0,5 bis 5 Mikrometer und reibt am Gewinde und an den Kanten binnen Wochen durch; darunter liegt meist Messing oder Stahl mit hohem Nickelanteil. Ein bewährter Kompromiss ist der Stab aus Titan mit einem massiven Goldaufsatz: Das Gold liegt außen, im Kanal steckt Titan.

Der Nickelgrenzwert: 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche

REACH Anhang XVII Nr. 27 verbietet Nickel in Stäben, die in durchstochene Ohren und andere durchstochene Körperteile eingesetzt werden, sofern die Freisetzung 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche erreicht oder übersteigt. Für Schmuck mit längerem Hautkontakt gilt 0,5, und Beschichtungen müssen diesen Wert mindestens 2 Jahre lang sichern. Gemessen wird nach der europäischen Norm EN 1811.

Die Zahlen des BfR zeigen, warum das nötig ist: Nickel war 2007 mit 17,3 Prozent Sensibilisierungshäufigkeit das häufigste Kontaktallergen in Deutschland. Nach Einführung der Nickelrichtlinie 1994 sank der Anteil sensibilisierter Frauen unter 30 Jahren von 36 auf 24 bis 26 Prozent. Unter Piercingträgern zeigten in einer deutschen Studie 32 Prozent eine Kontaktallergie gegen Nickel, und das BfR hält den Zusammenhang zwischen Piercing und Sensibilisierung für wahrscheinlich.

Für Sie heißt das: Ein Erstschmuck, der den Grenzwert nur knapp einhält, ist im Stichkanal immer noch eine Nickelquelle. Titan Grade 23 und nickelfreies Gold liegen unterhalb jeder Nachweisgrenze; Implantatstahl nach ASTM F138 enthält 13 bis 15 Prozent Nickel, gibt ihn aber so langsam ab, dass er die Norm erfüllt. Die APP lässt ihn zu, der VPP nennt ihn nicht unter den empfohlenen Erstmaterialien.

Gewicht, Tragegefühl und Haltbarkeit

Titan wiegt ein Drittel bis ein Viertel von Gold: 4,43 g/cm³ gegenüber rund 13 g/cm³ bei 585er und 15,5 g/cm³ bei 750er Legierungen; reines Gold erreicht laut London Bullion Market Association 19,32 g/cm³. Ein gerader Stab von 1,6 mm Stärke und 10 mm Länge mit zwei 4-mm-Kugeln hat ein Volumen von etwa 0,09 cm³ und wiegt in Titan rund 0,4 g, in 750er Gold rund 1,4 g.

In einem verheilten Ohrläppchen fällt das nicht auf, in einem frischen Brustwarzen- oder Vorhautpiercing sehr wohl: Jedes Gramm zieht am Kanal und begünstigt das Wandern des Piercings. Titan ist außerdem härter als jede Goldlegierung, Kratzer und ausgeleierte Gewinde sind seltener, und 750er Gold ist wiederum weicher als 585er.

Optisch ist der Abstand kleiner als gedacht: Anodisiertes Titan liefert einen warmen Goldton, der zwar mit den Jahren blasser wird, aber weder abplatzt noch Nickel freisetzt. Wer den Glanz von echtem Gold will, setzt ihn nach der Abheilung ein, also nach 4 Wochen bis 12 Monaten je nach Stelle, wenn der Kanal mit Haut ausgekleidet ist und kleine Gewichtsunterschiede keine Wunde mehr reizen.

Preise und Empfehlung

Im Fachhandel kostet ein gerader oder gebogener Stab aus Titan nach ASTM F136 6 bis 40 Euro, ein Aufsatz mit Zirkonia oder Opal 20 bis 80 Euro. Massives Gold beginnt bei 60 bis 120 Euro für einen einzelnen Aufsatz in 585, ein kompletter Stab in 750 liegt bei 80 bis 300 Euro, mit gefassten Steinen bei 200 bis 600 Euro. Dazu kommt die Stichgebühr des Studios, in Deutschland üblich 40 bis 90 Euro für Ohr, Nase, Nabel und Brust und 80 bis 200 Euro für Intimpiercings.

Die Empfehlung folgt der Heilung: Titan für den Stich und die gesamte Heilphase, Gold für den Wechsel danach. Wer beides verbinden will, wählt einen gewindelosen Titanstab und steckt nach 4 bis 8 Wochen einen massiven Goldaufsatz auf; den Stab wechselt erst das Studio nach der Abheilung. Bei jedem Goldkauf gehören zwei Angaben auf den Beleg: der Feingehalt (585 oder 750) und die Zusicherung „nickel- und cadmiumfrei“.

Vorsicht bei „Chirurgenstahl“ ohne Norm, bei „Titan“ unter 3 Euro und bei „Oberfläche nickelfrei“: Das BfR weist darauf hin, dass solche Angaben oft nur einen Klarlack bezeichnen, der nach einiger Zeit einreißt.

Häufige Fragen

Ist Chirurgenstahl als Erstschmuck erlaubt?

Implantatstahl nach ASTM F138 oder ISO 5832-1 akzeptiert die APP, obwohl er 13 bis 15 Prozent Nickel enthält, weil die Freisetzung sehr gering ist. Der VPP empfiehlt Titan, Niob und Gold. Als „Chirurgenstahl“ verkaufter Billigschmuck hat meist keine Norm und kein Zertifikat.

Warum ist vergoldeter Schmuck für ein frisches Piercing ungeeignet?

Die Goldschicht ist nur 0,5 bis 5 Mikrometer dick und reibt am Gewinde und an den Kanten binnen Wochen durch. Darunter liegt meist eine nickelhaltige Legierung, die dann direkt in der Wunde liegt. Die APP schließt vergoldeten, gold-filled und Vermeil-Schmuck ausdrücklich aus.

Ist 750er Gold besser als 585er?

Nicht für den Stichkanal. 750er Gold enthält 75 Prozent Gold und ist weicher, 585er mit 58,5 Prozent hält Gewinde und Fassungen besser. Beide sind laut APP geeignet, sofern sie nickel- und cadmiumfrei legiert sind; mehr als 18 Karat gilt als zu weich.

Wie viel Nickel darf Piercingschmuck abgeben?

Nach REACH Anhang XVII Nr. 27 höchstens 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche für Schmuck in durchstochenen Körperteilen; für sonstigen Schmuck mit längerem Hautkontakt gelten 0,5. Geprüft wird nach der Norm EN 1811.

Woran erkenne ich echtes Implantattitan?

Am Werkszertifikat mit der Angabe ASTM F136 oder ISO 5832-3 für die verwendete Charge. Die bloße Bezeichnung „G23“ ist kein Nachweis, und ein Preis unter 3 Euro je Stab spricht gegen zertifiziertes Material.

Kann ich mit Nickelallergie Gold tragen?

Ja, wenn die Legierung nickelfrei ist. Gelb- und Roségold aus Gold, Silber und Kupfer sind unproblematisch; klassisches Weißgold enthält laut BfR 10 bis 13 Prozent Nickel, deshalb nur Palladium-Weißgold mit ausdrücklicher Zusicherung wählen.

Quellen

  1. Jewelry for Initial Piercings, Association of Professional Piercers (APP)
  2. ASTM F136-13(2021)e1, Standard Specification for Wrought Titanium-6Aluminum-4Vanadium ELI Alloy for Surgical Implant Applications, ASTM International
  3. Regulation (EC) No 1907/2006 (REACH), Annex XVII, Entry 27 Nickel, legislation.gov.uk (Fassung des EU-Rechtstexts)
  4. Piercing kann zur Sensibilisierung gegenüber Nickel führen, Stellungnahme Nr. 046/2008, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  5. Density of Gold, London Bullion Market Association (LBMA)
  6. Piercingschmuck (VPP-Standard), Verband professioneller Piercer e.V. (VPP)
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