Ein schlichtes Titanstück nach ASTM F136 kostet im Fachhandel üblich 15 bis 40 Euro, ein Aufsatz aus 585 Gold 80 bis 300 Euro, aus 750 Gold 150 bis 600 Euro und aus Platin 400 bis 1.500 Euro. Der reine Goldwert macht davon meist nur 10 bis 30 Prozent aus.
Die fünf Preisstufen im Überblick
Hochwertiger Körperschmuck kostet im Fachhandel üblich zwischen 15 Euro für einen schlichten Titanstab und 1.500 Euro für ein Platinstück mit Diamanten, in fünf Stufen. Stufe 1 ist Implantattitan nach ASTM F136 ohne Stein: ein Labret mit 1,2 Millimeter Stärke, 6 bis 10 Millimeter Länge und 3 Millimeter Kugel für 15 bis 40 Euro. Stufe 2 ist Titan mit gefassten Zirkonia oder Opalen, oft anodisiert, für 40 bis 150 Euro. Stufe 3 sind Aufsätze und Ringe aus 585 Gold (14 Karat) für 80 bis 300 Euro, Stufe 4 aus 750 Gold (18 Karat) für 150 bis 600 Euro. Stufe 5 ist Platin 950 für 400 bis 1.500 Euro.
Die Preise gelten je Stück, also je Aufsatz, Kugel oder Ring. Ein Set aus Titanstab und Goldaufsatz kombiniert Stufe 1 und 3 und liegt bei 100 bis 340 Euro; wer mehrere Piercings mit Gold ausstattet, plant je Ohr 300 bis 1.200 Euro ein. Viel Geld für wenige Gramm Metall, deshalb lohnt der Blick darauf, wofür Sie zahlen.
Was kostet das Stechen im Studio?
Deutsche Studios nennen üblich einen Komplettpreis mit Titan-Erstschmuck, steriler Einmalnadel, Beratung und Nachsorgeblatt. Für ein Ohrläppchen sind 25 bis 50 Euro üblich, für Helix, Tragus oder Nasenflügel 40 bis 80 Euro, für Nabel und Brustwarzen 60 bis 120 Euro, für Intimpiercings 80 bis 180 Euro. Das Kürzen des Stabs nach 2 bis 6 Wochen ist oft enthalten oder kostet 5 bis 15 Euro. Wer Erstschmuck aus 585 oder 750 Gold wünscht, zahlt üblich 60 bis 300 Euro Aufpreis.
Ein Studiopreis unter 20 Euro inklusive Schmuck ist ein Warnzeichen, denn allein der Titanstab kostet den Betrieb im Einkauf mehrere Euro, dazu kommen Nadel, Handschuhe, Sterilgutverpackung und 15 bis 30 Minuten Beratung. Die Association of Professional Piercers (APP) lässt für frische Piercings nur Titan nach ASTM F136, F1295 oder F67, Stahl nach ASTM F138 oder ISO 5832-1, Niob, Gold ab 14 Karat, Platin und bestimmte Gläser zu. Vergoldeter Schmuck ist nach APP-Standard nicht zulässig, weil die dünne Goldschicht abträgt und das Grundmetall freilegt.
| Stufe | Material | Preisspanne | Merkmal |
|---|---|---|---|
| 1 | Titan ASTM F136, schlicht | 15 bis 40 Euro | Innengewinde oder gewindelos, Hochglanzpolitur, nickelfrei |
| 2 | Titan mit Zirkonia oder Opal | 40 bis 150 Euro | gefasste Steine, anodisierte Farben |
| 3 | Gold 585 (14 Karat) | 80 bis 300 Euro | 58,5 Prozent Gold, nickelfrei legiert |
| 4 | Gold 750 (18 Karat) | 150 bis 600 Euro | 75 Prozent Gold, oft mit Diamanten oder Saphiren |
| 5 | Platin 950 | 400 bis 1.500 Euro | 95 Prozent Platin, schwerste und härteste Variante |
| Billigware | „Chirurgenstahl“ ohne Norm, vergoldet | 1 bis 5 Euro | Außengewinde, Beschichtung, Nickelfreisetzung ungeprüft |
Kostenfaktor Innengewinde und Politur
Der wichtigste Preistreiber neben dem Material ist die Mechanik. Nach APP-Standard ist Innengewinde die Norm: Der Teil, der durch die Haut geht, ist glatt, das Gewinde sitzt im abnehmbaren Ende; gewindelose Steckstifte sind die zugelassene Alternative. Beides erfordert Drehteile mit Toleranzen von wenigen Hundertstel Millimetern; übliche Gewindegrößen sind 0,9 Millimeter für Stäbe mit 1,2 Millimeter Stärke und 1,2 Millimeter für Stäbe mit 1,6 Millimeter. Außengewinde, wie bei Billigware üblich, kratzen bei jedem Wechsel den Stichkanal auf.
Der zweite Faktor ist die Oberfläche. Die APP verlangt eine spiegelglatte Politur ohne Kerben, Kratzer, Grate und Poliermittelreste; das erreicht nur Handpolitur in mehreren Stufen. Der dritte Faktor sind Nachweise: Hersteller von Implantattitan liefern Werkszeugnisse für jede Charge nach ASTM F136, deren Normtext allein bei der ASTM rund 86 US-Dollar kostet. Für Gold gilt das Feingehaltsgesetz: Schmuck darf in jedem Feingehalt gestempelt werden, angegeben in Tausendteilen, mit höchstens 10 Tausendteilen Abweichung.
Echte Steine, Feingehalt, Legierung
Ob ein Stein echt ist, macht bei kleinen Größen einen großen Unterschied. Zirkonia in 2 bis 3 Millimetern kosten im Einkauf Cent-Beträge, ein Diamant derselben Größe je nach Reinheit üblich 30 bis 150 Euro, ein Saphir 15 bis 60 Euro. Gefasste Steine mit Krappen oder Zargen halten Jahrzehnte, geklebte Steine lösen sich in Sauna und Meerwasser oft nach 1 bis 3 Jahren. Fragen Sie deshalb nach der Fassung, nicht allein nach dem Stein.
Beim Gold zählt der Feingehalt: 585 bedeutet 58,5 Prozent Gold, 750 bedeutet 75 Prozent, der Rest ist Legierung aus Silber, Kupfer, Palladium oder Zink. Die APP empfiehlt für frische Piercings mindestens 14 Karat, also 585, und warnt, dass Gold über 18 Karat zu weich ist. Entscheidend ist die Legierung ohne Nickel und Cadmium: Klassisches Weißgold enthält nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) 10 bis 13 Prozent Nickel, für Körperschmuck kommt deshalb nur Palladium-Weißgold infrage, üblich 20 bis 40 Prozent teurer.
Der Goldwert je Gramm: Was wirklich drinsteckt
Der Börsenpreis für Feingold lag am 24. September 2026 bei rund 120 Euro je Gramm. Daraus ergibt sich ein Materialwert von rund 90 Euro je Gramm für 750 Gold und rund 70 Euro je Gramm für 585 Gold. Ein Piercingaufsatz wiegt typisch 0,2 bis 0,6 Gramm, ein Ring mit 8 Millimeter Innendurchmesser und 1,2 Millimeter Drahtstärke rund 0,5 Gramm. In einem 750er Aufsatz für 250 Euro stecken also 18 bis 54 Euro Gold, in einem Ring rund 45 Euro. Der Rest entfällt auf Drehen, Fassen, Polieren, Prüfung und Handel.
Das ist kein Argument gegen Gold, sondern die Erklärung, warum der Preis zweier 750er Aufsätze gleicher Größe um den Faktor 3 schwanken kann. Beim Wiederverkauf zahlt der Ankauf nur den Materialwert, üblich 5 bis 15 Prozent unter dem Tageskurs, also für ein 0,5-Gramm-Stück aus 750 Gold rund 38 bis 43 Euro. Wer Körperschmuck als Wertanlage sieht, kauft besser Barren. Wer ihn als Schmuck sieht, zahlt für Passform, Verträglichkeit und dafür, dass das Stück nach 10 Jahren noch glänzt wie am ersten Tag.
Billigware: Warum 3 Euro am Ende teuer sind
Ein Set aus 20 Piercings für 12 Euro spart genau dort, wo Heilung und Haut entschieden werden. Erstens am Material: „Chirurgenstahl“ ohne Normangabe kann jede Legierung sein; echter 316L enthält 10 bis 14 Prozent Nickel, und ob die Freisetzung unter den 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche liegt, die REACH für frische Piercings vorschreibt, prüft niemand. Zweitens am Gewinde: Außengewinde und Gussgrate reißen den Stichkanal auf. Drittens an der Oberfläche: Poren und Poliermittelreste halten Keime.
Die Folgekosten sind real. Nach BfR-Angaben entwickelt rund ein Drittel der Piercingträger eine Nickelkontaktallergie, und die bleibt ein Leben lang. Hautarzttermin, Epikutantest mit Ablesung nach 48 und 72 Stunden, ein neues Piercing nach abgeheilter Entzündung und die verlorene Heilzeit von 6 Wochen bis 12 Monaten kosten mehr als der Preisunterschied zu Titan. Die Rechnung lautet: 15 bis 40 Euro für Titan nach ASTM F136 sind der Grundpreis für ein Piercing, das bleibt. Gold und Platin sind die Kür, wenn alles verheilt ist.
Häufige Fragen
Warum ist Titanschmuck teurer als Edelstahl?
Implantattitan nach ASTM F136 kostet im Einkauf ein Vielfaches von Stahl, ist schwerer zu zerspanen und wird mit Werkszeugnis je Charge geliefert. Dazu kommen Innengewinde und Handpolitur; 15 bis 40 Euro je Stück sind dafür ein fairer Preis.
Lohnt sich Gold für ein frisches Piercing?
Ja, wenn es 585 oder 750 Gold ohne Nickel und Cadmium ist und vom Studio sterilisiert wird. Vergoldeter oder goldgefüllter Schmuck ist nach APP-Standard für frische Piercings nicht zulässig.
Wie viel ist mein Goldpiercing beim Verkauf wert?
Nur den Materialwert: Ein 0,5-Gramm-Stück aus 750 Gold enthält bei rund 90 Euro je Gramm etwa 45 Euro Gold, der Ankauf zahlt davon meist 5 bis 15 Prozent weniger. Fassung, Politur und Steine zählen nicht.
Was kostet ein Piercing inklusive Schmuck in Deutschland?
Üblich in deutschen Studios: Ohrläppchen 25 bis 50 Euro, Helix und Nase 40 bis 80 Euro, Nabel und Brustwarzen 60 bis 120 Euro, Intimpiercings 80 bis 180 Euro, jeweils mit Titan-Erstschmuck.
Woran erkenne ich, dass Titan wirklich ASTM F136 ist?
Am Werkszeugnis des Herstellers, das seriöse Händler auf Nachfrage zeigen, und an der Normangabe auf Rechnung oder Verpackung. Der Preis allein beweist nichts, ein Stück unter 10 Euro mit dieser Angabe ist unwahrscheinlich.
Ist Platin besser als Gold?
Platin 950 ist härter, schwerer und völlig nickelfrei, nach APP-Angaben extrem inert und hervorragend verträglich. Es kostet mit 400 bis 1.500 Euro je Stück aber das 2- bis 3-Fache von 750 Gold und wird nur von wenigen Herstellern verarbeitet.
Quellen
- Jewelry for Initial Piercings, Association of Professional Piercers
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren, § 5, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- ASTM F136-13(2021)e1: Standard Specification for Wrought Titanium-6Aluminum-4Vanadium ELI Alloy for Surgical Implant Applications, ASTM International
- Piercing kann zur Sensibilisierung gegenüber Nickel führen, Stellungnahme Nr. 046/2008, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
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