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Drei hochglanzpolierte Piercingschmuckstücke aus Titan, blau anodisiertem Niob und Roségold auf elfenbeinfarbener Seide im Tageslicht.
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Wie viel Nickel darf Schmuck abgeben? Grenzwerte und Allergie

Stäbe für frische Piercings dürfen nach REACH Anhang XVII Nr. 27 höchstens 0,2 Mikrogramm Nickel je Quadratzentimeter und Woche freisetzen, Schmuck mit längerem Hautkontakt 0,5 Mikrogramm. Eine Nickelallergie zeigt sich 24 bis 48 Stunden nach dem Kontakt als juckendes, gerötetes Ekzem genau an der Kontaktstelle.

Die Grenzwerte: 0,2 und 0,5 Mikrogramm

Schmuck darf nach der REACH-Verordnung, Anhang XVII, Eintrag 27, höchstens 0,5 Mikrogramm Nickel je Quadratzentimeter und Woche abgeben, Stäbe für frisch gestochene Ohren und andere durchstochene Körperteile sogar nur 0,2 Mikrogramm. Die Regel hat eine lange Geschichte: Die Nickelrichtlinie 94/27/EG setzte 1994 den Wert von 0,5 Mikrogramm für alle Gegenstände mit unmittelbarem und längerem Hautkontakt, also Ohrringe, Ketten, Armbänder, Ringe, Uhrengehäuse, Nieten, Knöpfe und Reißverschlüsse. Die Richtlinie 2004/96/EG senkte den Wert für Erststecker auf 0,2 Mikrogramm, weil Nickel in Blutplasma und Urin etwa doppelt so schnell herausgelöst wird wie in künstlichem Schweiß. Seit 2009 steht die Beschränkung im Anhang XVII der REACH-Verordnung.

Der Grenzwert ist ein Kompromiss. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) entwickeln bei einer Freisetzung von 0,5 Mikrogramm noch 10 bis 30 Prozent der bereits sensibilisierten Menschen ein Kontaktekzem, einzelne reagieren sogar bei 0,05 Mikrogramm. Die Beschränkung schützt also vor allem davor, überhaupt erst eine Allergie zu entwickeln. Wer bereits allergisch ist, braucht Materialien, die gar kein Nickel enthalten.

So wird gemessen: die Norm EN 1811

Die Freisetzung wird nach der europäischen Norm EN 1811 bestimmt. Das Schmuckstück liegt dafür 7 Tage in einer künstlichen Schweißlösung bei rund 30 Grad, anschließend wird der gelöste Nickelgehalt gemessen und auf die Oberfläche und die Woche umgerechnet. Beschichtete Stücke werden vorher nach EN 12472 künstlich abgenutzt, weil die Beschichtung den Grenzwert über mindestens 2 Jahre normaler Nutzung sicherstellen muss.

Das BfR kritisierte 2008 einen Anpassungsfaktor von 0,1, den die damalige Normfassung vorschrieb: Ein Stück mit gemessenen 5 Mikrogramm galt nach der Korrektur als verkehrsfähig mit 0,5 Mikrogramm. Die Norm wurde 2011 überarbeitet. Für Sie als Käuferin oder Käufer bedeutet das: Ein Prüfbericht nach EN 1811 aus den Jahren vor 2011 sagt weniger aus als ein aktueller. Seriöse Hersteller von Körperschmuck legen Prüfberichte offen oder verwenden Werkstoffe, die von vornherein kein Nickel enthalten, etwa Titan nach ASTM F136 oder Niob.

Nickel in Schmuckmaterialien im Vergleich
MaterialTypischer NickelanteilNickelfreisetzungEignung
Titan ASTM F136 oder F670 ProzentkeineErstschmuck, auch bei bestehender Allergie
Niob0 ProzentkeineErstschmuck, anodisierbar in vielen Farben
Gold 585 oder 750, nickelfrei legiert0 Prozent Nickel, 58,5 oder 75 Prozent GoldkeineErst- und Dauerschmuck
Weißgold klassisch10 bis 13 Prozentmöglich, je nach Legierungnur mit Prüfbericht unter 0,5 Mikrogramm, nie in frische Piercings
Platin 9500 ProzentkeineDauerschmuck, hoher Preis
Chirurgenstahl 316L oder ASTM F13810 bis 15 Prozentgering, meist unter 0,2 Mikrogrammverheilte Piercings, nicht bei Allergie
Neusilber, Modeschmuck5 bis 30 Prozentoft über 0,5 Mikrogrammungeeignet
Glas, PTFE0 ProzentkeineRetainer, Dehnschmuck, MRT-Ersatz

Wie häufig ist die Nickelallergie?

Nickel ist der häufigste Auslöser allergischer Kontaktekzeme in Deutschland. Eine Untersuchung in 5 europäischen Ländern fand nach Angaben des Allergieinformationsdienstes von Helmholtz Munich bei 14,5 Prozent der Bevölkerung eine Nickelsensibilisierung, in Deutschland bei 13,5 Prozent. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung nennt für Frauen unter 30 Jahren rund 20 Prozent. Im Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) lag Nickel 2007 mit 17,3 Prozent der getesteten Patientinnen und Patienten an der Spitze aller Kontaktallergene.

Die Nickelrichtlinie hat gewirkt: Bei Frauen bis 30 Jahre sank die Sensibilisierungsrate von 36 Prozent im Jahr 1992 auf 24 bis 26 Prozent in den Jahren 2000 und 2001. Bei Jugendlichen bleibt der Wert hoch. Eine deutsche Epikutantest-Studie fand bei 10,3 Prozent der Kinder von 6 bis 12 Jahren und bei 16,7 Prozent der Jugendlichen von 13 bis 18 Jahren eine Nickelallergie, bei den 60- bis 66-Jährigen dagegen nur bei 7,3 Prozent. Das BfR verweist auf Studien, nach denen rund ein Drittel der Piercingträger eine Nickelkontaktallergie entwickelt; Frauen tragen dreimal so häufig Piercings wie Männer.

Symptome: So erkennen Sie eine Reaktion

Die Nickelallergie ist eine Spätreaktion vom Typ IV. Die Haut reagiert 24 bis 48 Stunden nach dem Kontakt, nicht sofort. Typisch sind Juckreiz, Rötung, kleine Knötchen oder Bläschen, später nässende und schuppende Stellen, und zwar genau dort, wo das Metall aufliegt: am Ohrläppchen, im Nabel, am Handgelenk unter der Uhr oder unter dem Jeansknopf. Bei einem frischen Piercing überlagert sich die Reaktion mit der normalen Wundheilung, deshalb hilft der Zeitpunkt bei der Unterscheidung: Eine Infektion bringt Hitze, Schmerz, Eiter und im schlimmsten Fall Fieber, eine Allergie bringt vor allem Juckreiz und Ekzem rund um den Stichkanal.

Gesichert wird die Diagnose beim Hautarzt mit dem Epikutantest: Nickelsulfat wird 48 Stunden unter einem Pflaster auf den Rücken aufgebracht, abgelesen wird nach 48 und 72 Stunden. Eine einmal erworbene Sensibilisierung bleibt bestehen. Die Behandlung besteht aus dem Meiden nickelhaltiger Gegenstände und, bei akutem Ekzem, aus kortisonhaltigen Cremes nach ärztlicher Verordnung. Wer die Allergie kennt, sollte sie im Studio vor dem Stechen nennen.

Der Dimethylglyoxim-Test für zu Hause

Mit dem Dimethylglyoxim-Test (DMG-Test) aus der Apotheke prüfen Sie Schmuck selbst: 1 bis 2 Tropfen der Lösung kommen auf ein Wattestäbchen, mit dem Sie die Oberfläche etwa 30 Sekunden reiben. Färbt sich die Watte rosa bis rot, gibt das Stück Nickel in einer Größenordnung ab, die grob dem Grenzwert von 0,5 Mikrogramm entspricht. Der Test kostet im Handel wenige Euro.

Seine Grenzen zeigt eine Studie aus dem Jahr 2010 in der Fachzeitschrift Contact Dermatitis: An 96 Ohrringkomponenten erreichte der DMG-Test im Vergleich mit der Referenzmethode EN 1811 eine Spezifität von 97,5 Prozent, aber nur eine Sensitivität von 59,3 Prozent. Ein positives Ergebnis ist damit sehr verlässlich, ein negatives übersieht etwa 4 von 10 nickelabgebenden Stücken. Für Menschen mit bekannter Allergie ersetzt der Test deshalb keine Materialangabe des Herstellers. Er ist ein guter Filter für geerbte Stücke, Modeschmuck und Verschlüsse, nicht mehr.

Nickelfreie Materialien für Piercing und Körperschmuck

Wirklich nickelfrei sind Werkstoffe, in deren Rezeptur kein Nickel vorkommt. Implantattitan nach ASTM F136 besteht aus Titan mit 5,5 bis 6,5 Prozent Aluminium und 3,5 bis 4,5 Prozent Vanadium, Reintitan nach ASTM F67 aus über 99 Prozent Titan. Niob ist ein reines Element, lässt sich anodisieren und gilt in den Schmuckstandards der Association of Professional Piercers als geeignet für frische Piercings. Gold mit 585 oder 750 Tausendteilen ist geeignet, wenn die Legierung ausdrücklich ohne Nickel und Cadmium gemischt wurde. Klassisches Weißgold enthält nach BfR-Angaben dagegen 10 bis 13 Prozent Nickel; wählen Sie stattdessen Palladium-Weißgold. Platin 950, Glas und PTFE sind ebenfalls nickelfrei.

Chirurgenstahl 316L enthält 10 bis 14 Prozent Nickel, die Implantatvariante nach ASTM F138 sogar 13 bis 15 Prozent. Gut passivierter Stahl gibt davon wenig ab und unterschreitet meist die 0,2 Mikrogramm, für bereits Allergische bleibt er trotzdem die zweite Wahl. Neusilber mit 5 bis 30 Prozent Nickel, V2A-Stahl mit 8 Prozent und V4A-Stahl mit 11 Prozent gehören nicht in ein frisches Piercing. Vorsicht bei der Aufschrift „Oberfläche nickelfrei“: Nach BfR-Angaben ist das oft nur ein Klarlack, der nach einiger Zeit einreißt.

Häufige Fragen

Ist Chirurgenstahl nickelfrei?

Nein. Chirurgenstahl 316L enthält 10 bis 14 Prozent Nickel, ASTM F138 13 bis 15 Prozent. Die Legierung gibt bei guter Passivierung nur wenig davon ab, für Menschen mit bestehender Nickelallergie ist Titan oder Niob trotzdem die sicherere Wahl.

Wie schnell zeigt sich eine Nickelallergie?

Als Spätreaktion vom Typ IV erst 24 bis 48 Stunden nach dem Kontakt, mit Juckreiz, Rötung und Bläschen genau an der Kontaktstelle. Eine Sofortreaktion innerhalb von Minuten spricht gegen Nickel.

Kann man eine Nickelallergie wieder loswerden?

Nein, die Sensibilisierung bleibt bestehen. Die Beschwerden verschwinden aber, wenn Sie nickelhaltige Gegenstände konsequent meiden; akute Ekzeme behandelt der Hautarzt mit kortisonhaltigen Cremes.

Ist Titan wirklich nickelfrei?

Ja. Implantattitan nach ASTM F136 besteht aus Titan mit rund 6 Prozent Aluminium und 4 Prozent Vanadium, Reintitan nach ASTM F67 aus über 99 Prozent Titan. Nickel ist in keiner der beiden Rezepturen enthalten.

Was bedeutet „nickelfrei“ auf Modeschmuck?

Oft nur, dass eine Lackschicht das Nickel vorübergehend abdeckt. Nach REACH muss eine Beschichtung den Grenzwert mindestens 2 Jahre lang bei normaler Nutzung einhalten; ein Klarlack reißt nach BfR-Angaben aber häufig früher ein.

Hilft ein Nickeltest aus der Apotheke?

Als Filter ja: Ein positives Ergebnis ist mit 97,5 Prozent Spezifität sehr verlässlich. Ein negatives Ergebnis übersieht aber etwa 4 von 10 nickelabgebenden Stücken, weil die Sensitivität nur 59,3 Prozent beträgt.

Quellen

  1. Piercing kann zur Sensibilisierung gegenüber Nickel führen, Stellungnahme Nr. 046/2008, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  2. Wie verbreitet sind Kontaktallergien?, Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich
  3. Prävention: Piercing und Tätowierung, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
  4. Sensitivity and specificity of the nickel spot (dimethylglyoxime) test, Contact Dermatitis 2010, PubMed, National Library of Medicine
  5. Jewelry for Initial Piercings, Association of Professional Piercers
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