Titan Grade 23 nach ASTM F136 ist das beste Metall für Körperschmuck: nickelfrei, mit 4,4 bis 4,5 Gramm je Kubikzentimeter etwa halb so schwer wie Implantatstahl und im Fachhandel für 15 bis 60 Euro je Barbell zu haben. Niob (8,57 g/cm³) und Implantatstahl 316LVM (8,0 g/cm³, 13 bis 15 Prozent Nickel) sind die Alternativen.
Die Antwort: Titan Grade 23 vor Niob und Stahl
Titan Grade 23 nach ASTM F136 ist das beste Metall für Körperschmuck: Es enthält kein Nickel, wiegt mit 4,4 bis 4,5 Gramm je Kubikzentimeter nur etwa halb so viel wie Stahl und kostet im Fachhandel 15 bis 60 Euro je Barbell. Niob und Implantatstahl 316LVM folgen mit Abstrichen bei Gewicht und Nickelgehalt.
Die Association of Professional Piercers lässt für frische Piercings nur Materialien zu, die einer Implantatnorm entsprechen: Titan nach ASTM F136 oder F67, Stahl nach ASTM F138 oder ISO 5832-1, dazu Niob, Gold ab 14 Karat nickelfrei, Platin und Glas.
Vier Kriterien entscheiden die Rangfolge: der Nickelgehalt der Legierung, das Gewicht am Körper, die Härte gegen Kratzer und der Preis. Titan gewinnt drei der vier Punkte, Stahl nur den Preis, Niob liegt in der Mitte und bietet dafür Farben, die Titan nicht erreicht.
Titan Grade 23 und Reintitan: ASTM F136 und F67
Grade 23 ist die Legierung Ti-6Al-4V ELI (UNS R56401): 5,5 bis 6,5 Prozent Aluminium, 3,5 bis 4,5 Prozent Vanadium, Rest Titan. „ELI“ steht für „Extra Low Interstitial“, also einen Sauerstoffanteil von höchstens 0,13 Prozent gegenüber 0,20 Prozent beim Standard-Grade 5; das macht die Legierung zäher und für Implantate geeignet. ASTM F136 verlangt eine Zugfestigkeit von mindestens 860 Megapascal und eine Streckgrenze von mindestens 795 Megapascal.
Reintitan nach ASTM F67 (Grade 1 bis 4, UNS R50250 bis R50700) enthält keine Legierungsmetalle, ist mit einer Streckgrenze von etwa 170 bis 480 Megapascal weicher und wird eher für große Ringe und Plugs verwendet. Beide Sorten bilden an Luft binnen Sekunden eine Oxidschicht von 2 bis 10 Nanometern, die den Kontakt zwischen Metall und Gewebe unterbindet.
Die Dichte liegt bei 4,43 bis 4,47 Gramm je Kubikzentimeter für Grade 23 und 4,51 für Reintitan. Verlangen Sie beim Kauf ein Werkszeugnis (Mill Certificate) mit der Norm; „Titan G23“ ohne Norm ist nur ein Wort.
| Material | Norm | Nickel | Gewicht (Dichte) | Preisniveau |
|---|---|---|---|---|
| Titan Grade 23 (Ti-6Al-4V ELI) | ASTM F136, ISO 5832-3 | 0 Prozent | 4,43 bis 4,47 g/cm³ | 15 bis 60 Euro |
| Reintitan Grade 1 bis 4 | ASTM F67, ISO 5832-2 | 0 Prozent | 4,51 g/cm³ | 12 bis 50 Euro |
| Implantatstahl 316LVM | ASTM F138, ISO 5832-1 | 13 bis 15 Prozent, gebunden | 8,0 g/cm³ | 5 bis 25 Euro |
| Edelstahl 316L (Standard) | AISI 316L, EN 1.4404 | 10 bis 14 Prozent | 8,0 g/cm³ | 3 bis 15 Euro |
| Niob 99,9 Prozent | keine Implantatnorm, von der APP akzeptiert | 0 Prozent | 8,57 g/cm³ | 25 bis 90 Euro |
| Gold 585 oder 750, nickelfrei | Feingehaltsgesetz, APP ab 14 Karat | 0 Prozent bei Palladium-Weißgold | 13,6 bis 15,5 g/cm³ | 120 bis 900 Euro |
Implantatstahl 316LVM: gut, aber mit 13 bis 15 Prozent Nickel
Implantatstahl nach ASTM F138 (UNS S31673, Werkstoff 1.4441) heißt in der Norm „18Chromium-14Nickel-2.5Molybdenum“: 17 bis 19 Prozent Chrom, 13 bis 15 Prozent Nickel, 2,25 bis 3 Prozent Molybdän und höchstens 0,03 Prozent Kohlenstoff. Das „VM“ steht für Vakuum-Umschmelzen, das Einschlüsse entfernt. Gewöhnlicher 316L-Edelstahl nach AISI enthält 10 bis 14 Prozent Nickel und hat keine Implantatfreigabe.
Das Nickel ist im Gefüge gebunden, deshalb bleibt die Abgabe bei guter Ware unter der REACH-Grenze von 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche für Piercingstecker. Für bereits sensibilisierte Haut ist das dennoch kein Freibrief: Nach DEGS1 hatten 12,7 Prozent der Frauen und 3,4 Prozent der Männer schon ein allergisches Kontaktekzem, und das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt Edelstahl V4A mit 11 Prozent Nickel unter den Quellen.
Mit 8,0 Gramm je Kubikzentimeter wiegt 316LVM fast das Doppelte von Titan. Dafür ist er härter gegen Kratzer und mit 5 bis 25 Euro je Barbell im Fachhandel das günstigste Implantatmaterial.
Niob: das weiche Schwergewicht mit Farbe
Niob wird für Körperschmuck als Reinmetall mit 99,9 Prozent verwendet. Es hat keine eigene Implantatnorm, die Association of Professional Piercers führt es aber seit Jahren mit guten Erfahrungen als Material für frische Piercings.
Mit 8,57 Gramm je Kubikzentimeter ist Niob schwerer als Stahl und fast doppelt so schwer wie Titan; sein Schmelzpunkt liegt bei 2477 Grad Celsius. Es ist weicher und dehnbarer als Titan, verkratzt deshalb leichter, lässt sich aber zu feinen Ringen mit 0,8 bis 1,0 Millimetern Stärke biegen, ohne zu brechen.
Sein Vorteil ist die Farbe: Niob lässt sich wie Titan anodisieren, zusätzlich aber schwarz, was bei Titan nicht gelingt. Die Farbschicht entsteht ohne Pigment durch Lichtbrechung an einer Oxidschicht von wenigen Dutzend bis einigen Hundert Nanometern. Im Fachhandel kosten Niob-Barbells 25 bis 90 Euro, also mehr als Titan, weil das Rohmaterial seltener ist und sich langsamer zerspanen lässt.
Anodisieren: Farbe aus Oxid und Volt
Anodisiertes Titan ist nicht lackiert, sondern trägt eine kontrolliert gewachsene Oxidschicht, die Licht wie ein Seifenfilm bricht. Die Schicht wächst je nach Elektrolyt um 1,4 bis 2,8 Nanometer je Volt, so dass die angelegte Spannung die Farbe bestimmt. Eine Studie in der Zeitschrift „Materials“ (2023) ordnet 15 Volt einem Braun, 30 Volt einem Stahlblau, 45 Volt einem Himmelblau, 60 Volt einem Blassgrün und 75 Volt einem Ockergelb zu.
Gold- und Roségoldtöne, die im Körperschmuck am gefragtesten sind, liegen in gängigen Farbtabellen zwischen 50 und 65 Volt, Violett bei 65 bis 75 Volt, ein helles Blau noch einmal bei 77 bis 85 Volt. Schon 2 bis 3 Volt Unterschied verschieben den Ton, deshalb weichen Chargen leicht voneinander ab.
Die Schicht ist 20 bis 200 Nanometer dünn und reibt an Gewinde, Kugelauflage und Kanten mit der Zeit durch; darunter kommt das helle Titan hervor, keine Fremdschicht. Für empfindliche Haut ändert das nichts, weil das Oxid selbst aus Titan besteht.
Gewicht, Preis und Kaufentscheidung
Was das Gewicht praktisch bedeutet, zeigt ein Barbell mit 1,6 Millimetern Stärke, 12 Millimetern Länge und zwei Kugeln von 4 Millimetern: etwa 0,09 Kubikzentimeter Material, also 0,4 Gramm in Titan, 0,7 Gramm in Implantatstahl, 0,8 Gramm in Niob und 1,4 Gramm in 750 Gold. Bei einem Ring mit 10 Millimetern Innendurchmesser und 1,6 Millimetern Stärke bleibt das Verhältnis gleich. Für Ohr und Nase ist das gleichgültig, für Brust und Intimbereich spürbar.
Üblich im Fachhandel: Implantatstahl 5 bis 25 Euro, Reintitan 12 bis 50 Euro, Titan Grade 23 15 bis 60 Euro, Niob 25 bis 90 Euro, Gold 585 oder 750 nickelfrei 120 bis 900 Euro je Barbell. Steine, Innengewinde und Handpolitur treiben den Preis nach oben; das Rohmaterial selbst kostet bei Titan nur Cent-Beträge je Stück.
Beim Kauf prüfen Sie vier Dinge: die Norm (ASTM F136, F67 oder F138) im Werkszeugnis, das Innengewinde, eine spiegelnde Politur ohne Riefen und den Nickelhinweis nach REACH. Für frische Piercings bleibt Titan Grade 23 die erste Wahl, für ausgeheilte Kanäle kommen Niob, Stahl und massives Gold dazu.
Häufige Fragen
Ist Titan G23 dasselbe wie Ti-6Al-4V ELI?
Ja. Grade 23 ist die Handelsbezeichnung der Legierung Ti-6Al-4V ELI nach ASTM F136 mit 5,5 bis 6,5 Prozent Aluminium, 3,5 bis 4,5 Prozent Vanadium und höchstens 0,13 Prozent Sauerstoff. Ohne Werkszeugnis mit der Norm bleibt die Angabe unbelegt.
Ist Chirurgenstahl nickelfrei?
Nein. Implantatstahl 316LVM nach ASTM F138 enthält 13 bis 15 Prozent Nickel, gewöhnlicher 316L 10 bis 14 Prozent. Das Nickel ist gebunden und die Abgabe liegt bei guter Ware unter 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche, für sensibilisierte Haut ist Titan trotzdem sicherer.
Verblasst anodisiertes Titan?
Ja, die 20 bis 200 Nanometer dünne Oxidschicht reibt an Gewinde und Kanten mit der Zeit durch. Darunter erscheint das helle Titan, keine Fremdschicht; ein Studio kann das Stück in wenigen Minuten neu anodisieren.
Ist Niob besser als Titan?
Niob ist nickelfrei, weicher und mit 8,57 Gramm je Kubikzentimeter fast doppelt so schwer wie Titan; es lässt sich zusätzlich schwarz anodisieren. Eine Implantatnorm hat es nicht, die APP führt es dennoch für frische Piercings.
Wie erkenne ich echtes Implantat-Titan?
Am Werkszeugnis mit ASTM F136 oder F67, am geringen Gewicht (ein Barbell von 1,6 mal 12 Millimetern wiegt rund 0,4 Gramm) und am Preis von 15 bis 60 Euro. Stücke für 3 bis 5 Euro ohne Norm sind meist Stahl oder unbestimmtes Titan.
Was wiegt ein Barbell aus Titan?
Ein Barbell mit 1,6 Millimetern Stärke, 12 Millimetern Länge und 4-Millimeter-Kugeln wiegt etwa 0,4 Gramm. In Implantatstahl sind es 0,7 Gramm, in Niob 0,8 Gramm, in 750 Gold 1,4 Gramm.
Quellen
- ASTM F136 Standard Specification for Wrought Titanium-6Aluminum-4Vanadium ELI Alloy for Surgical Implant Applications (UNS R56401), ASTM International
- ASTM F138 Standard Specification for Wrought 18Chromium-14Nickel-2.5Molybdenum Stainless Steel Bar and Wire for Surgical Implants (UNS S31673), ASTM International
- ASTM F67 Standard Specification for Unalloyed Titanium for Surgical Implant Applications, ASTM International
- Jewelry for Initial Piercings, Association of Professional Piercers
- Titanium: Element Data (Dichte 4,506 g/cm³), Royal Society of Chemistry
- Niobium: Element Data (Dichte 8,57 g/cm³, Schmelzpunkt 2477 °C), Royal Society of Chemistry
- Electrochemical, Biological, and Technological Properties of Anodized Titanium for Color Coded Implants, Materials 2023, PubMed Central, National Library of Medicine
- The electrochemical oxide growth behaviour on titanium in acid and alkaline electrolytes, Med Eng Phys 2001, PubMed (NCBI E-utilities, Datensatz PMID 11435147), National Library of Medicine
- Werkstoffdatenblatt 1.4441 / 316LVM (ASTM F138, ISO 5832-1), Stainless (Herstellerdatenblatt)
- Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH), Anhang XVII, Eintrag 27 Nickel, Europäische Union, Fassung auf legislation.gov.uk
- Piercing kann zur Sensibilisierung gegenüber Nickel führen, Stellungnahme Nr. 046/2008, Bundesinstitut für Risikobewertung
- Wie verbreitet sind Kontaktallergien?, Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich
Passende Beiträge

Gold 750 oder 585: Welche Legierung für Körperschmuck?
Gold ist nicht gleich Gold: Zwischen 999, 750, 585 und einer dünnen Vergoldung liegen Welten in Härte, Hautverträglichkeit und Wert. Welche Legierung an den Körper darf und was sie wirklich kostet.

Wie viel Nickel darf Schmuck abgeben? Grenzwerte und Allergie
Nickel ist der häufigste Auslöser von Kontaktallergien in Deutschland, und Piercings gehören zu den wichtigsten Eintrittspforten. Welche Grenzwerte gelten, wie Sie eine Reaktion erkennen und welche Materialien wirklich frei von Nickel sind.

Brustwarzenpiercing: Heilzeit und der passende Schmuck
Kaum ein Piercing wird so oft zu früh gewechselt wie das an der Brustwarze. Wie lange die Heilung wirklich dauert, welcher Stab hineingehört und was in Schwangerschaft und Stillzeit gilt.
